"Neue Menschenrechte"

Dieses Thema enthält 2 Antworten und 1 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Jean-Pol Martin vor 6 Monate.

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  • #1620

    Jean-Pol Martin
    Teilnehmer

    Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wurde 1948 verfasst unter dem Eindruck des 2. Weltkrieges. Der Text ist philosophisch geprägt und defensiv. Auf dem Hintergrund der Bedürfnisforschung, der Glücksforschung und der Gehirnforschung lassen sich heute Menschenrechte formulieren, die direkt an die Bedürfnisse der Menschen anknüpfen. Es sind nur 6 Artikel, die sofort als Instrumente politisch eingesetzt werden können.

    #1621

    Jean-Pol Martin
    Teilnehmer

    Neue Menschenrechte
    Jean-Pol Martin

    Präambel:Glück
    Ziel aller Maßnahmen weltweit ist die Schaffung von Strukturen (wirtschaftlichen, politischen, ethischen), die für ein Mehr an Entfaltung für die Natur und an Glück für alle Lebewesen sorgen. Die nachfolgenden Artikel bilden dazu Voraussetzungen.
    Allg. Erklärung: entfällt

    Artikel 1: Denken
    Zentrales Grundbedürfnis des Menschen ist das Denken (Informationsverarbeitung und Konzeptualisierung).
    Es müssen Bedingungen geschaffen werden, damit alle Menschen Zugang zu Informationen und zur Möglichkeit der Konzeptualisierung erhalten. Denken setzt die Realisierung der Artikel 2 bis 6 voraus.
    Allg. Erklärung: Artikel 18, 19, 26, 27

    Artikel 2: Gesundheit
    Alle Maßnahmen werden weltweit getroffen, damit Lebewesen ihre physiologischen Bedürfnisse befriedigen können (z.B. Schlaf, Nahrung, Sexualität). Mit der Natur als Reservoir wird sorgfältig und schonend umgegangen.
    Allg. Erklärung: Artikel 24, 25

    Artikel 3: Sicherheit (insbesondere Einkommen und Wohnen)
    Es wird weltweit angestrebt, Strukturen zu schaffen, die ein Maximum an Sicherheit für alle Lebewesen sorgen. Mit der Natur wird auch in diesem Zusammenhang schonend umgegangen.
    Allg. Erklärung: Artikel 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 14, 15, 17, 22, 28

    Artikel 4: Soziale Einbindung
    Es wird weltweit dafür gesorgt, dass Lebewesen sich in einem sozial stützenden Umfeld bewegen können. Es sollen Strukturen geschaffen werden, die Selbstverwirklichung sozial unterstützen.
    Allg. Erklärung: Artikel 1, 16, 20, 22, 25, 26, 27

    Artikel 5: Selbstverwirklichung und Partizipation
    Es ist weltweit dafür zu sorgen, dass Lebewesen alle ihre Potenziale zur Entfaltung bringen können. Dabei ist schonend mit der Natur umzugehen. Die Entfaltung des Einzelnen kann nur im Rahmen der ihn umgebenden Strukturen erfolgen. Es muss die Möglichkeit bestehen, Einfluss auf diese Strukturen zu nehmen, also teilzunehmen. Die Gesellschaft ist darauf angewiesen, dass möglichst viele ihre intellektuellen, emotionalen und materiellen Ressourcen dafür zur Verfügung stellen können.
    Allg. Erklärung: Artikel 12, 13, 17, 18, 19, 20, 21, 23, 24, 25, 26, 27

    Artikel 6: Sinn
    Es wird weltweit dafür gesorgt, dass Lebewesen ihr Leben als sinnvoll und befriedigend empfinden.
    Allg. Erklärung: entfällt

    Begriffe aus dem alten Paradigma:
    Gerechtigkeit: Allgemeiner Zugang zu Ressourcen der Bedürfnisbefriedigung
    Freiheit: Keine Behinderung beim Zugang zu Ressourcen der Bedürfnisbefriedigung
    Würde: Entsteht wenn die Bedürfnisse befriedigt sind
    Gleichheit: Element der Gerechtigkeit

    Literatur
    Martin, J.-P. (2002). Weltverbesserungskompetenz als Lernziel? In: Pädagogisches Handeln – Wissenschaft und Praxis im Dialog. 6. Jahrgang, Heft 01/2002, S. 71–76.
    Martin, J.-P. (2009): Lernziel Partizipation und Netzsensibilität. In: Oebel G. (2009) (Hrsg.): LdL – Lernen durch Lehren goes global: Paradigmenwechsel in der Fremdsprachendidaktik und kulturspezifische Lerntraditionen. Hamburg: Verlag Dr. Kovac. S.115-127
    Martin, J.-P. (2018): Lernen durch Lehren: Konzeptualisierung als Glücksquelle. In: O.-A. Burow, S. Bornemann (Hrsg.): Das große Handbuch Unterricht & Erziehung in der Schule. Carl Link Verlag. Im Druck.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 6 Monate, 1 Woche von  Jean-Pol Martin.
    #1628

    Jean-Pol Martin
    Teilnehmer

    „Wir brauchen neue Menschenrechte!“

    Artikel im Donaukurier

    Das erste Dokument zur Sicherung von Bürgerrechten, die „Magna Charta“, entstand 1215 in England. Es sollte die Bürger gegen maßlose Steuern des Königshauses schützen. „Freiheit“ bedeutete also Freiheit von Zwang. Betrachtet man weitere Texte, wie die französische Verfassung von 1791, so stellt man fest, dass die Menschenrechte stets auf Freiheit im Sinne des Schutzes der Bürger gegen Übergriffe des Staates abzielen. Dies gilt auch für die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die 1948, also nach dem zweiten Weltkrieg, entstand. Vor dem Hintergrund der schrecklichen Leiden, die Millionen getroffen hatten, stand auch in diesem Text der Schutz der Menschen im Vordergrund. Von 30 Artikeln bezieht sich die Hälfte allein auf die Sicherheit, eine defensive Perspektive.

    Ferner orientieren sich die aktuellen Menschenrechte am Menschenbild der Aufklärung. Die zentralen Begriffe sind abstrakt und unterschiedlich interpretierbar. Dies gilt besonders für „Würde“ aber auch für „Gerechtigkeit“ und „Freiheit“. Es ist aufgrund dieser Unschärfe kaum möglich, die damit verbundenen Rechte im Alltag einzufordern. Wie soll ein Hartz-IV-Empfänger auf würdige Behandlung durch die Behörden konkret bestehen oder ein Paketzusteller sein Recht auf Freiheit einfordern? Ein weiteres Problem besteht darin, dass das Menschenbild der Aufklärung nicht weltweit akzeptiert wird. Es ist westlich geprägt und wird von Angehörigen anderer Kulturen nicht anerkannt.

    Seit 1948 sind Wissenschaften entstanden, die neue Einsichten in die Funktionsweise des Menschen liefern, insbesondere die Bedürfnisforschung und die Glücksforschung. Im Rahmen meiner Tätigkeit als Didaktiker habe ich mich im Laufe der letzten Jahrzehnte bemüht, ein Menschenbild aufzustellen, das konsensfähig ist und universelle Geltung beansprucht.

    Das Ziel menschlichen Lebens ist das Glück. Diese Auffassung ist fest verankert in der philosophischen Tradition seit Aristoteles. Glück kann man definieren als die Befriedigung der Grundbedürfnisse auf einem individuell zu bestimmenden Niveau. In der Bedürfnisforschung wird die Pyramide von Abraham Maslow (1908- 1970), Gründungsvater der humanistischen Psychologie, als Bezugsmodell anerkannt. Maslow beschreibt fünf Stufen von Grundbedürfnissen, ausgehend von den physiologischen Bedürfnissen auf der unteren Stufe und gipfelnd in dem Bedürfnis nach Sinn auf der höchsten Ebene. Mehr braucht man nicht, um den Menschen und seine Funktionsweise zu verstehen.

    Wenn die Aufgabe der Politik darin besteht, Bedingungen für die Befriedigung der Bedürfnisse zu schaffen, dann kann sie sich auf folgende Punkte konzentrieren: Artikel 1: Recht auf Gesundheit. Artikel 2: Recht auf Sicherheit – gemeint sind etwa Wohnraum und Arbeit. Artikel 3: Recht auf soziale Einbindung. Artikel 4: Recht auf Selbstverwirklichung und Mitwirkung. Artikel 5: Recht auf Sinn, der sich aus der Realisierung der vorhergegangenen Bedürfnisse ergibt. Ein Blick auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte zeigt, dass alle 30 Artikel sich den fünf oben genannten Rechten zuordnen lassen.

    Im Gegensatz zu den tradierten Rechten, die defensiv formuliert sind, sind die neuen offensiv, und sie konzentrieren sich auf die Entfaltung des Menschen. Ferner hat die Liste durch ihren konkreten Bezug zum Leben den Vorteil, dass die Bürgerinnen und Bürger sich bei Forderungen auf diese Rechte direkt beziehen können. Darüber hinaus ist sie überschaubar und hilft den Politikern, vor Entscheidungen die zentralen Bedürfnisse ihrer Wähler im Blick zu behalten. Soll beispielsweise ein Altersheim aus ökonomischen Gründen aus dem Zentrum der Stadt an die Peripherie verlegt werden, so verletzt diese Maßnahme den Artikel 3, das Recht auf soziale Einbindung. Vor allem liefert die Liste ein Programm für jede politische Gruppe, die sich bei ihrer Arbeit an den Bedürfnissen der Bürger orientieren will.

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